Weißpünktchen Behandlung

Behandlung einer Ichthyo-Infektion im Aquarium

Ichthyophthirius multifiliis, der Erreger der Weißpünktchen-Krankheit ist nach Haltungsfehlern sicherlich für die meisten Todesfälle von Aquarienfischen verantwortlich. Ich werde häufiger nach einer Behandlungsmethode gefragt und nehme das als Anlaß, hier eine solche zu posten.

Man nehme:
- 0,1%ige Malachitgrünoxalat-Lösung (zinkfrei) aus der Apotheke alternativ ein Malachitgrünoxalat-haltiges Medikament oder JBL Punktol. In letzter Zeit hat sich dieses als hervorragend wirksam erwiesen.
oder 1 g Malachitgrünoxalat (zinkfrei, reinst) und löse es in 1 Liter Wasser
- Eine Injektionsspritze ohne Nadel zum Abmessen


- Tag 1: Von dieser Lösung werden 6 ml auf 100 Liter Aquarienwasser abgemessen und in ein bis zwei Litern Wasser vorgelöst. Das wird dann über eine längere Zeit (ein bis zwei Stunden) verteilt ins Aquarium gegeben. Sollten sich im Aquarium keine Salmler, empfindliche Buntbarsche oder Welse befinden, kann (muß aber nicht) die Konzentration auf 10 ml je 100 Liter erhöht werden.
Die vorgemischten Medikamente dosiert man nach Packungsangabe.
Malachitgrünoxalat schädigt die Filterbakterien, wird aber andererseits von ihnen abgebaut. Beides ist nicht erwünscht, deswegen empfiehlt es sich, einen Biofilter in einen Eimer kurzzuschließen und Mulm vor der Behandlung abzusaugen.
Soweit die Fische es vertragen, kann die Aquarientemperatur erhöht werden. Dies beschleunigt den Zyklus von Ichthyo und verkürzt damit die Behandlung. Außerdem steigt mit der Temperatur die Sterblichkeit der Trophozoiten in der Bodenphase

- Tag 2: Da Malachitgrünoxalat lichtempfindlich ist, sollte das Licht im Aquarium ausgeschaltet bleiben. Füttern, wenn die Tiere hungrig sind.

- Tag 3: Möglichst großer Wasserwechsel, bis zu 90% sind möglich. Medikamente dann für das gesamte Beckenvolumen dosieren, wie am 1. Tag. Füttern, wenn die Tiere hungrig sind.

- Tag 4: wie Tag 2.
- Tag 5: wie Tag 3.
In der Folge immer einen über den anderen Tag behandeln (= Wasser wechseln und Medikament dosieren) und in Ruhe lassen.

Ende der Behandlung: Die Behandlung ist grundsätzlich 4 Tage nach dem letzten Auftreten eines weißen Pünktchens beendet. Zum Ende der Behandlung wird an 4 aufeinander folgenden Tagen jeweils 1/3 des Aquarienwassers gewechselt und Mulm abgesaugt. Ein kurzgeschlossener Biofilter kann nach dem 2. Wasserwechsel wieder angeschlossen werden.

Vorsicht: Malachitgrünoxalat ist sehr giftig und steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Das Pulver sollte nach Möglichkeit im Freien und mit Gummihandschuhen und Mundschutz verarbeitet werden, die Stammlösung ebenfalls mit Handschuhen. Die Stammlösung ist sehr lichtempfindlich, sie sollte kühl und dunkel, aber nicht in der Nähe von Lebensmitteln aufbewahrt werden.


Nachtrag: Oft tritt Ichthyo auf, kurz nachdem neue Fische ins Aquarium gesetzt werden. Meist wird dann die Schuld dem Händler zugewiesen, man behauptet, er habe kranke Fische verkauft, weil sie nach nur einer Woche Pünktchen bekommen.
Dem ist nicht so!

Auch die oft zitierten "Dauerstadien" sind bei Ichtyo nicht bekannt und treten im gesamten Verwandtschaftskreis nicht auf. Ich halte es also für unwahrscheinlich, daß es sie gibt. Häufig kommt es im Aquarium jedoch zu einem Minimalbefall der vorhandenen Fische. Er bleibt für den Aquarianer unsichtbar und ist für den Fisch nicht sehr störend. Meist sitzen mikroskopisch kleine Trophozoiten an den Basen der Brustflossen, in den Kiemen oder sonstigen schlecht erreichbaren Stellen. Sie werden dort nicht besonders groß, da das Immunsystem der Fische ihnen sehr zu schaffen macht, deswegen sieht man sie nicht.
In den meisten Aquarien stellt sich auf diese Weise ein Wirt-Parasiten-Gleichgewicht ein, mit dem beide ganz gut leben können. So stellt es übrigens den Idealfall für einen Parasiten dar.
Kommen nun neue Fische ins Becken, deren spezifische Immunabwehr diesen Ichthyphthirius-Stamm nicht kennt, können sich die Parasiten auf diesen Fischen hervorragend vermehren. Eine große Zahl von Schwärmern wird gebildet und auch die alteingesessenen Fische werden angeschwommen. Durch die zahlreichen Löcher, die die Trophozoiten in der Epidermis (= Diffusionsbarriere) der Fische verursachen, werden auch die Fische aus dem Altbesatz geschwächt, die Epidemie greift um sich.


Die hier gegebenen Behandlungsempfehlung ist sorgfältig geprüft worden und hat sich vielerorts als praktikabel erwiesen. Dennoch übernimmt der Autor keinerlei Haftung für Schäden, die durch ihre Anwendung an Mensch, Tier, Umwelt oder Gegenständen entstehen.

 

(C) Tobias Möser